Zwischen haptischem Handarbeits-Charme und verknotetem Hirnschmalz

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Da sitze ich beim ersten Blick auf die Anleitung ganz ehrlich mit einem Stirnrunzeln da: Auf den ersten Blick sieht das Material mit den bunten Schnüren, den gelochten Webrahmen und den Holzknöpfen unheimlich charmant und greifbar aus! Als Mensch, der Handwerk und schöne Texturen liebt, spricht mich dieses echte Hantieren mit Fäden natürlich sofort an – das hebt sich optisch wunderbar von der hundertsten Papp-Plättchen-Schlacht ab.

Aber je weiter man in die eigentlichen Webregeln eintaucht, desto mehr schlägt dieses gemütliche Bastelgefühl in knallharte, abstrakte Gehirnakrobatik um: Erst draftet man Fäden wie bei einem modernen Kartenspiel, muss dann aber beim Einfädeln ständig dreidimensional vorausplanen. Welche Farbe kreuzt wen von oben oder unten? Wie viele parallele Fäden darf ich legen, bevor mir die fiese Minuspunkte-Strafe für zu viele gleiche Farben reingrätscht? Und welcher Knopf belohnt am Ende welche Konstellation am besten?

Genau da liegt für mich das große Fragezeichen: Für eine lockere, kreative Familienrunde am Kaffeetisch ist das Auszählen der Kreuzungen und Bedingungen auf dem Wertungsblock fast schon zu fummelig und trocken-mathematisch geraten. Für eingefleischte Taktiker, die gerne tüfteln und optimieren, könnte das Thema „Handarbeiten“ wiederum zu niedlich und harmlos wirken.

Unterm Strich weiß ich daher auch noch nicht so recht, ob das am Tisch genial aufgeht oder man sich vor lauter Fadensalat und Punktezählerei eher die Haare rauft. Ein extrem eigenwilliges Konzept, dem man seine Originalität definitiv nicht absprechen kann, das man aber wohl erst einmal live in den Fingern gehabt haben muss, um zu spüren, ob der Funke wirklich überspringt!