Scotland Yard Duel – Kleine Fläche, große Verfolgungsjagd

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Mit „Scotland Yard Duel“ übertragen Matthias Prinz und Thorsten Schlotterbeck das bekannte Verfolgungsprinzip des klassischen „Scotland Yard“ in ein auf zwei Personen zugeschnittenes Format. Eine Person übernimmt die Rolle von Mr. beziehungsweise Ms. X und versucht, innerhalb eines aus 25 Stadtteilen bestehenden Rasters unentdeckt zu bleiben. Die andere Person schlüpft in die Rolle der Ermittlerin beziehungsweise des Ermittlers und versucht, den Aufenthaltsort der flüchtenden Person durch geschicktes Kombinieren, Beobachten und gezielte Aktionen zu ermitteln.

Gerade diese Asymmetrie ist eine der großen Stärken des Spiels. Beide Seiten verfolgen unterschiedliche strategische Ziele. Die Ermittlungsseite sammelt Informationen, versucht Bewegungsmöglichkeiten zu antizipieren und interpretiert die Entscheidungen des Gegenübers. Mr. beziehungsweise Ms. X hingegen lebt von Unsicherheit und Täuschung; er oder sie kann durch das Vertauschen von Stadtteilen falsche Fährten legen. Dabei muss nicht einmal der eigene tatsächliche Standort verändert werden. Mr. beziehungsweise Ms. X muss dabei ständig überlegen, welche Positionen auch in den kommenden Zügen noch sicher sind. Zusätzliche Aktionen wie Rasterfahndung, Überwachungskamera oder Verstärkung sorgen dafür, dass sich das Spiel nicht allein auf das sukzessive Aufdecken einzelner Felder beschränkt.
Das 5×5-Raster ist ermöglicht angenehm kurze Partien. Gleichzeitig liegt darin auch eine kleine Schwäche: Die Spielfläche hätte für meinen Geschmack durchaus etwas größer ausfallen dürfen. Durch das begrenzte Raster sind die Möglichkeiten teilweise recht eingeschränkt, und eine unglückliche Entscheidung kann die Bewegungsfreiheit schnell deutlich reduzieren. Dadurch kann eine Partie mit zunehmender Erfahrung gelegentlich auch sehr schnell vorbei sein.
Die ersten Partien waren für uns vor allem dazu da, überhaupt in das Spiel hineinzukommen und haben noch recht lange gedauert. Mit jedem weiteren Spiel und den häufigeren Rollenwechseln wurde zunehmend deutlicher, welche Zusammenhänge zwischen den einzelnen Zügen bestehen. Dadurch verändert sich auch die Spielweise. Mit zunehmender Erfahrung wird mehr geblufft und stärker vorausgeplant.
Die Anleitung ist grundsätzlich übersichtlich gestaltet und wird durch Abbildungen und Beispiele unterstützt, was mir sehr gefallen hat. Sobald das Grundprinzip verstanden ist, erklären sich viele Aktionen zudem unmittelbar über die Symbole und Darstellungen auf den Stadtteilen. Bei einigen Sonderaktionen mussten wir allerdings auch nach mehreren Partien immer wieder einen Blick in die Anleitung werfen, um keine Details zu vergessen – etwa wann eine Person nach einer bestimmten Aktion direkt erneut an der Reihe ist. Das bremst den Spielfluss anfangs etwas, wird mit zunehmender Vertrautheit mit dem Spiel aber weniger problematisch.
Material und Gestaltung hinterlassen ebenfalls einen guten Eindruck. Die Stadtteile und Spielfiguren bestehen aus Karton und werden in Kunststoffständer eingesetzt. Durch die dreidimensionale Anordnung der Gebäude entsteht ein optisch ansprechendes Spielfeld.

Insgesamt gelingt die Übertragung des bekannten „Scotland Yard“-Konzepts auf ein Zweipersonenspiel gut. Die zentrale thematische Idee – Jäger gegen Gejagten – bleibt erhalten, wird aber auf ein deutlich kompakteres Spielfeld konzentriert. Die kurze Spieldauer lädt zu mehreren Partien hintereinander ein, während die asymmetrischen Rollen dafür sorgen, dass sich das Spiel mit zunehmender Erfahrung immer wieder anders anfühlt. Für mich liegt der besondere Reiz deshalb weniger in der ersten Partie als in den Spielen danach. Je besser man die Möglichkeiten beider Seiten versteht, desto mehr wird aus der einfachen Verfolgungsjagd ein taktisches Duell.
Wer hat mitgespielt?
Erwachsene: 2
man muss ganz genau lesen
leicht verständlich
außergewöhnlich gut gestaltet
funktional
pro Runde ein paar Minuten
dauert etwas
ein paar Minuten
mehrere Stunden
keine Vorkenntnisse nötig
hier sind Spiele-Experten gefragt
für unterwegs
Tisch ist zwingend notwendig
geht nur einmal
spiele ich gerne wieder